Kunstprojekt zum Weltfrauentag am Grazer Hauptplatz
Was wäre, wenn ich dir sage, dass die größte Heldin vielleicht du selbst bist?
Anlässlich des Weltfrauentages fand am Grazer Hauptplatz das besondere Kunstprojekt „DU – Heldin des Alltags“statt. Künstlerinnen präsentierten in einer begehbaren Spirale aus Kunstwerken Frauen, die ihr Leben mit Mut, Stärke und Herz meistern.
Die Ausstellung lud Besucherinnen und Besucher dazu ein, innezuhalten und den Geschichten von Frauen zu begegnen, die oft im Stillen Großes leisten – Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, Herausforderungen überwinden und mit ihrer Haltung inspirieren.
Ich hatte die große Freude, mit meinem eigenen Werk Teil dieser Initiative zu sein.

Eine Spirale voller Geschichten
Die Ausstellung war als Spirale aufgebaut, durch die Besucherinnen und Besucher gehen konnten. Jedes Kunstwerk erzählte die Geschichte einer Frau – einer Heldin des Alltags.
Beim Durchschreiten der Spirale entstand ein Raum der Begegnung: Kunstwerke, Gespräche, persönliche Geschichten und Perspektiven verbanden sich zu einem gemeinsamen Erlebnis.
Im Zentrum der Spirale stand ein besonderer Ort: ein Thron.
Er lud Frauen dazu ein, Platz zu nehmen und sich selbst als Heldin ihres eigenen Lebens zu erkennen.
Ein kraftvolles Symbol dafür, dass wir aufhören dürfen, uns klein zu machen – und beginnen können, unseren Raum einzunehmen.

Meine Heldin: Paula Grogger
Für mein Werk habe ich eine Frau porträtiert, die für mich eine ganz besondere Heldin ist: Paula Grogger.
Der Ausgangspunkt dafür entstand im Sommer 2024. In dieser Zeit war ich Teil der Festspiele in Öblarn, wo das legendäre Theaterstück „Die Hochzeit“ von Paula Grogger – seit über 95 Jahren aufgeführt – erneut zur Bühne wurde.
Ich hatte dort die Möglichkeit, ein Atelier zu beziehen. Dadurch wurde ich Teil eines lebendigen Erinnerungsraumes.
Über 300 Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller wirkten an der Inszenierung mit. Viele von ihnen kamen zu mir ins Atelier und erzählten mir ihre persönlichen Geschichten über Paula Grogger.
Obwohl ich sie nie persönlich kennenlernen konnte, entstand durch diese Gespräche ein überraschend klares Bild von ihr.
In jeder Erzählung zeigte sich eine neue Facette:
ein Satz, eine Geste, ein Blick, ein Widerspruch.
Ich hörte von ihrer Stärke, ihrer Disziplin, aber auch von ihrer Sanftheit. Und mit jeder Geschichte wuchs meine Bewunderung.

Eine Frau, die sich ihren Platz erschrieben hat
Paula Grogger lebte und wirkte in einer Zeit, in der Frauen nur wenig gesellschaftlichen Spielraum hatten. Doch sie ließ sich nicht verbiegen.
Sie erschrieb sich ihren Platz – mit Worten, mit Vision und mit großer Willenskraft.
Besonders beeindruckt mich eine Geschichte aus ihrem Leben:
Sie ließ ihr eigenes Haus bauen. Sie diskutierte mit Bauarbeitern und setzte ihre Vorstellungen durch.
Und sie traf sogar eine ungewöhnliche Entscheidung:
Sie ließ juristisch festlegen, dass rund um ihr Haus keine höheren Gebäude errichtet werden dürfen, damit der Blick auf den Grimming frei bleibt.
Für mich ist das ein stilles, poetisches Symbol.
Wer seine Sicht bewahrt, bewahrt auch seine Freiheit.

Mein Kunstwerk: „Die Sicht bewahren“
Mein Werk trägt den Titel „Die Sicht bewahren“.
Es ist ein Porträt, das mit grafischen Schichten arbeitet – Linien, Schriftzüge aus ihrem Werk sowie Details aus dem Theaterstück „Die Hochzeit“.
Mir ging es nicht nur darum, ihr Gesicht darzustellen.
Ich wollte ihre Geschichte sichtbar und spürbar machen.
Ihre Klarheit.
Ihre Tiefe.
Und ihren Mut.
Jede Linie im Bild erzählt etwas.
Jede Schicht ist ein Echo zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Eine Botschaft zum Weltfrauentag
Die Ausstellung „DU – Heldin des Alltags“ erinnert uns daran, dass Heldinnen nicht nur in Geschichtsbüchern existieren.
Sie sind überall:
in Frauen, die ihren Weg gehen,
in Frauen, die Verantwortung übernehmen,
in Frauen, die sich nicht verbiegen lassen.
Und manchmal entdecken wir diese Heldin genau dort, wo wir am wenigsten danach suchen.
In uns selbst.

